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Es ist Juni 1958.

Nach 25 Jahren hat das Gespannmotorrad ausgedient.

Zwei Mark beträgt die Abmeldegebühr, die Ewald Augustin aus Zwiesel beim Landratsamt Regen entrichtet.

Die letzten fünf Jahre war der Hüttenmeister Augustin, wohnhaft Bahnhofstraße 295 in Zwiesel, Besitzer des schweren Kraftrades gewesen Mit ihren 22 PS gehörte die Standard BS500 zu den schnellsten und stärksten Motorrädern der 30er Jahre - immerhin 120km/h schaffte sie ohne Beiwagen, ein stolzer Wert zur damaligen Zeit.

Der ehemalige Vorbesitzer war auch wohnhaft in Zwiesel gewesen, von Beruf Kraftfahrer und wohnte in der Theresienthalerstraße 185a.

Sein Name war Franz Vilsmeier.

Er fuhr das Gespann bis 1952 - allerdings ist nicht bekannt, ab wann das Motorrad in seinem Besitz war. Möglich, dass es zwischen 1933 und 1950 noch einen oder mehrere Vorbesitzer gab.

Zurück zum Jahr 1958:

Normalerweise geht der letzte Weg eines ausgedienten Kraftfahrzeugs direkt zum Schrottplatz, oder der Alteisenhändler holt es ab.

In diesem Fall aber übersteht das ausrangierte Gefährt die nächsten zwanzig Jahre weitgehend unbeschadet in einem Schuppen, bevor es über eine Verkaufsanzeige Mitte der 70er Jahre in den Nordschwarzwald umzieht.

Hier wird glücklicherweise nicht sofort mit der Restauration begonnen.

Glücklicherweise deshalb, weil zu dieser Zeit noch ausschließlich die technische Originalität im Mittelpunkt jeder Restauration stand.

Das Resultat waren unbestreitbar wunderschöne, neuwertige Veteranenmotorräder - optisch teilweise noch perfekter als ihre Vorlagen in den zeitgenössischen Verkaufsprospekten.

Allerdings verloren die Fahrzeuge dadurch auch ihre historische Identität und Individualität.

Was sie - bzw. ihre jeweiligen Besitzer - im Laufe langer Jahre erlebt und durchgemacht hatten, wurde im Zuge der Restaurierungsarbeiten komplett ausradiert.

Kaum ein Sammler interessierte sich damals für die Frage, wer wohl damals im Beiwagen mitgefahren war, ob der Hüttenmeister Augustin mit seinem Motorrad möglicherweise allmorgentlich nach Theresienthal donnerte, um dort an seine Arbeitsstelle zu gelangen.

Wie kam die Standard zu diesem einzigartigen Beiwagen? Keiner der zahlreichen befragten Oldtimer-Experten kennt das Seitenwagenmodell. Warum hat das Gespann eine ganz andere Lackierung, als damals vom Werk aus vorgesehen?

Wenn man nun den Gedanken verfolgt, vergleichbar einem Ahnenforscher die Geschichte eines Veteranenmotorrades zu erkunden, helfen dabei drei wichtige Faktoren:

Schriftliche Unterlagen:

In diesem Fall liegt der KFZ-Brief vor.

Obige Namen, Adressen und Datumsangaben sind diesem Papier entnommen.

Zeitzeugen:

Hier liegt das Problem im Alter des Fahrzeugs und dem seiner damaligen Besitzer.

Bis heute war es trotz Internet nicht möglich, Verwandte, Freunde, Kollegen oder Nachkommen der genannten Personen zu ermitteln.

Fotos:

 

Manchmal hat man Glück, und es taucht ein historisches Foto auf.

Dass einer der ehemaligen Besitzer sich stolz ablichten ließ, ist gar nicht so unwahrscheinlich - handelte es sich doch bei der Standard BS500 Supersport Gloria um ein sehr wertvolles und allgemein bewundertes Gefährt.

Auf jeden Fall - wenn jemand Erinnerungen an die erwähnten Personen oder das Motorrad-Gespann hat - jede Information ist willkommen.

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